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Herrschaft bestimmt(e) Wahrheit

Unter Wahrheit verstehe ich im darzulegenden Zusammenhang den verlässlichen Bezug zwischen Wort und Handlung beziehungsweise sinnlich Erfahrbarem.

Sein und Bewusstsein sind ja durchaus getrennt zu sehen. Normalerweise baut Bewusstsein auf Sein auf. Der (Neo-)Behaviorismus zeigt eine gewisse Willkürlichkeit der Beziehung zwischen Verbalem und Sinnlichem. Man kann ganze Gebäude von Worten konstruieren, die in sich einigermaßen stimmig sind, aber mit der erfahrbaren Wirklichkeit nichts oder wenig zu tun haben. Paradebeispiel sind religiöse Überzeugungen.

Doch irgendwann erodieren diese Gebäude. Ein oder mehrere Menschen stellen einfach andere auf. Im Grunde wären dann beide Seiten fragwürdig. Doch in der Geschichte sind die sogenannten Wahrheiten dann wohl immer durch Herrschaft stabilisiert worden. Herrscher verlangten, dass sich die Untertanen in die herrschende Religion einzuordnen hatten. Zu laute Zweifler waren Aufrührer.

Die heutige Religion bzw. ihr Gott heißt Geld und Wachstum. Alle gehorchen ihm oder haben ihm zu gehorchen. Am Rande sind ein paar Spinner geduldet, solange sie gut als solche gekennzeichnet werden können. Sie sind sogar nützlich, wenn man der Masse klar machen kann, dass das Quatschköpfe sind. Doch der Rückzug von immer mehr Menschen von der herrschenden Version nimmt zu. Es wird langsam brenzlig für die offizielle Version.

Es wird auch immer deutlicher, dass Geld im weiteren Sinn zum Verbalverhalten zählt. Es kann sich von der Realität abheben, und das tut es auch. Es hat nur noch wenig Bezug zum materiellen Wirtschaften. Der moderne Gott hat den Bezug zur Realität verloren.

Und viele bekommen mit, dass wir uns Erde und Zukunft versauen, dass das System im Westen zementiert ist und keine echte Demokratie mehr ist. Dass die Medien "lügen". Dass wir in der Dritten Welt noch schlimmeren Kolonialismus praktizieren als in den sogenannten Kolonialzeiten. Dass unsere Schutzmacht (USA) keine Verteidigungs- sondern Anriffskriege führt. Die herrschende Ideologie wird mühsam durch Drahtzieher aufrecht erhalten, die noch viele Verbreitungsmittel kontrollieren. Sie kann sich außerdem darauf verlassen, dass die vereinzelten Menschen so vom globalisierten System abhängig sind, dass sie lieber die Augen zu machen, so dass man ihnen nicht mal Sand in die Augen streuen muss.

Und doch bröckelt das (Überzeugungs-)System. Wortsysteme können nicht für immer losgelöst von der Erfahrungswelt, von der Wirklichkeit überleben. In die Täuschung muss immer mehr reingepumpt werden. Die Bestechung muss noch aufwändiger werden. Für immer wird das nicht so weitergehen.

Sich darstellendes Selbst und Politik

Im Bereich politischen Agierens bewährt sich mein Konstrukt der Polarität von darstellendem und (zusammen-)wirkenden Selbst. Ich behaupte, dass sich Menschen zwischen Selbstdarstellung und Aufgabenorientierung bewegen. Man kann sich also mehr in die eine oder die andere Richtung positionieren. Je zahlreicher und anonymer die Menschen sind, die jemanden beim Tun beobachten, desto mehr steht man unter dem Druck der Beobachtenden. Die Beobachtenden müssen nicht physisch präsent sein. Sie beobachten und kriegen auch evtl. später das Wirken der Person mit. Er steht unter entsprechend anderen Einflüssen als ein einfach vor sich hinwirkender Mensch. Wenn man in einer kleinen Gruppe zusammenwirkt, stehen auch eher die aufgabenbezogenen Gesichtspunkte im Vordergrund als die Selbst-Darstellung. Es sei denn, der Mensch ist in der Tendenz übermäßig darstellend orientiert.

Politiker sind stark in Versuchung, sich in Richtung Darstellung zu orientieren. Schon durch die Masse und Anonymität der Beobachtenden. Hinzu kommen die Übermittler, die Medien, die das aufbereiten. Es gibt weltweit wohl nur wenige, die diesem Darstellungsdruck standhalten und weitgehend aufgabenorientiert sind. Die Lösung oder wenigstens eine Erleichterung wären Organisationsformen, wie ich sie im 7er-Konzept vorschlage.

Frei sein, oder besser: frei werden

Der sogenannte Werte-Westen setzt auf Freiheit. Freiheit des Individuums. Dabei ist das Individuum vor allem frei in seinen Kauf-Entscheidungen. Soweit es Geld hat oder es als Banker erzeugt.

Merkwürdig ist auch seine Freiheit in der Wahl-Kabine. Losgelöst von seinen sozialen Bindungen - soweit es sie überhaupt noch gibt - winkt man Parteien und Politiker durch, die vor allem Schauspiele veranstalten statt, Visionen oder Werte zu verfolgen, die in eine lebbare Zukunft verweisen.

Freiheit von etwas ist Quatsch. Wir stehen unter vielen Einflüssen. Wir brauchen sie auch, um uns den relevanten Bedingungen zu stellen, mit denen wir umgehen müssen. Was wichtig ist, ist die Freiheit für etwas. Für künftige Möglichkeiten der Gestaltung unserer Leben. Da "wartet" viel Unbekanntes. Wenn wir uns von der Zukunft, von Werten leiten lassen.

In Wirklichkeit ist nichts. Alles ist am Werden. Wir können uns nicht im Erreichten ausruhen. Ausruhen ist zum Ausgleich und zum Kräfte-Sammeln da. Es geht ums Gestalten. Immer wieder umdenken und das Gedachte umsetzen.

Natürlich zusammen. Wir sind eingebunden. Aber befreien uns auch davon, wenn die um uns alles nur festzurren wollen.